Geld,
Waffen, Öl - von Benno Herzog
Geld,
Waffen, Öl
Waffenhändler verkaufen
schweres Gerät in Krisengebiete, Politiker helfen
ihnen dabei, waschen ihre Hände in Unschuld und
vermitteln nebenbei Ölmultis ein
Milliardengeschäft. Was wie eine schlechte
Propagandageschichte der 70er Jahre klingt ist in der
Türkei Realität.
Die Türkei ist ein Staat, in
einer besonderen wichtigen geographischen Lage. Sie
hat sich gewandelt, vom "Flankenstaat" beim
Kampf gegen den Warschauer Pakt, hin zum
"Frontstaat", in unmittelbarer Grenze zu
den aktuellen Krisenherden im Nahen Osten und im
Kaukasus. Spätestens seit dem Golfkrieg bezeichnet
sich die Türkei selbst als Regionalmacht und
versucht eigenständige regionale Interessen auch mit
Hilfe militärischer Stärke durchzusetzen. Dazu hat
sie ein großes Modernisierungsprogramm geplant und
wird in den nächsten 10 Jahren über 100 Milliarden
Dollar für neue Waffen ausgeben. Klar, dass davon
auch deutsche Firmen ein großes Stück abbekommen
wollen. Seit jeher sind sie der zweitgrößte
Waffenlieferant für die Türkei (hinter den USA).
Die meisten Geschäfte gehen dabei ohne größere
Probleme vonstatten, weil ausländische Firmen, die
Mehrheit des Unternehmens halten oder sich niemand
dafür interessiert. So zum Beispiel für die 6
Minensuchboote, die ohne Probleme durch den
Bundessicherheitsrat gingen. Oder die Hilfe, die
deutsche Unternehmen beim Aufbau eines
Chemiewaffenlabors in der Türkei geleistet haben,
was ja bekanntlich nur dem "legitimen
Verteidigungsinteresse der Türkei" (Scharping)
dient.
Ab und zu gibt es dann doch
noch Probleme, wie bei dem Geschäft über 1000
Leopard-2 Kampfpanzer. Vielleicht sind es die Bilder
des Militärputsches von 1980, bei denen Panzer die
Streikenden im Werk von Mercedes-Turk in Schach
hielten, vielleicht sind es die zahlreichen Fotos,
die Menschenrechtsdelegationen von Besuchen in
Kurdistan mitbringen, und die dokumentieren, dass
eben auch deutsche Panzer beim Krieg gegen die
kurdische Bevölkerung eingesetzt werden.
Doch wenn sich Fischer jetzt
mit weißer Weste präsentiert, weil er im
Sicherheitsrat gegen eine Lieferung gestimmt hat, so
muß er sich Populismus vorwerfen lassen. Lange
vorher war der Konflikt absehbar, aber von den
Grünen nie thematisiert worden. Nicht in der
Öffentlichkeit und auch nicht bei den
Koalitionsverhandlungen, bei denen sie den
"Menschenrechtsstatus möglicher
Empfängerländer" lediglich als Kriterium für
Nicht-Nato-Mitglieder benannt haben. Kurz vor
Weihnachten wurden dann noch die Lieferung eines
Kampfhubschraubers "Tiger" (wieder gegen
die Stimme von Fischer) genehmigt. Dabei geht es um
eine erwartetes Geschäft über 140 Hubschrauber im
Wert von ca. 8 Mrd. DM.
Die Waffen sollen an einen
Staat geliefert werden, der mit über 100 Milliarden
Dollar das Land mit den höchsten Auslandsschulden
ist und der mittlerweile die Hälfte seines
Staatshaushaltes für Zinszahlung braucht, einen
Staat, der ganze Gebiete in Kurdistan verwüstet und
drei Millionen Menschen zur Flucht getrieben hat.
Aber nicht nur mit Waffen
läßt sich vortrefflich Geld verdienen. Im Kaukasus
liegen die letzten großen Ölvorräte (ca. 25% des
Weltaufkommens, soviel wie in Iran und Irak
zusammen). Von dort gibt es zwei Pipelines, über die
das Öl an westliche Staaten geliefert wird. Die eine
führt nördlich über Rußland, die andere über den
Iran. Um nun unabhängig von den Iranern und den
Russen Geschäfte mit dem Öl zu machen, drängte die
Clinton Regierung auf eine eigene Pipeline. Am Rande
des OSZE Gipfels im Herbst letzten Jahres in Istanbul
war es dann soweit. Vom Kaspischen Meer soll eine
1.730 Km lange und 2,4 bis 4 Milliarden Dollar teure
Pipeline über Georgien nach Ceyhan an der
türkischen Mittelmeerküste gebaut werden. Doch die
erwarteten Geschäfte übertreffen die Kosten bei
Weitem. Allein der US-Multi Chevron will in den
nächsten 40 Jahren Investitionen von 20 Mrd. Dollar
entlang der kaspischen Küste tätigen. Verträge
über die Ölförderung in Kasachstan und
Aserbaidschan haben Chevron, Exxon, BP, Amoco, Mobil,
Texaco und viele andere abgeschlossen. Längst wird
die Pipeline als die moderne Seidenstraße
bezeichnet. Mit großer Sorge betrachtet man daher
den Krieg in Tschetschenien, befürchtet man doch,
dass sich Rußland nicht so einfach aus dem
lukrativen Geschäft drängen lassen will und mit
einem Standbein in Tschetschenien versuchen könnte
(unter Ausnutzung unterschiedlichster regionaler
Konflikte), wieder an Einfluss zu gewinnen. Daher
verwundert es auch nicht, das sich die Türkei wieder
einmal auf Seiten der russischen Gegner einmischt und
tschetschenische und daghestanische Kämpfer
ausbildet und "Freiwillige" für den Kampf
gegen Rußland stellt.
Längst hat sich die Türkei
von Atatürks außenpolitischer Enthaltsamkeit und
seinem Motto: "Friede daheim, Friede in der
Welt" entfernt. Doch solange westliche Firmen
mit Krieg und Öl gute Geschäfte machen und ein
Arbeitsplatz daheim im Zweifelsfall mehr zählt als
ein Leben im Ausland, werden sich die vielfältigen
Konflikte in der Region wohl nicht lösen lassen.
Quellen:
Badische Zeitung 18.11.99
Politische Berichte 22/99 und
24/99
Steinbach Udo, Die Türkei im
20. Jahrhundert, Bergisch Gladbach 1996
Kurdistan Rundbrief Nr. 26,
29.12.1999
Benno Herzog
HSG-PDS
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Kurdistan,
Kosovo - ein Vergleich - von Ergün Günes
Die
Nato und die Menschenrechte
Der Kosovokrieg wurde von der
Nato mit der Begründung gerechtfertigt, dass
Jugoslawien die Menschenrechte verletzt: 200.000
Kosovoalbaner wurden vertrieben und 200
kosovoalbanische Dörfer von jugoslawischen
Streitkräften evakuiert, wobei viele Zivilisten
ermordet wurden.
In Kurdistan wurden im Verlaufe
des 15-jährigen Krieges nach Angaben des Türkischen
Militärs 40.000 Menschen umgebracht: ca. 10.000
türkische Soldaten, 10.000 kurdische Rebellen und
20.000 kurdische Zivilisten. Nach Angaben der
Kurdischen Arbeiterpartei PKK, ist die Anzahl der
Toten doppelt so hoch. Nach Angaben internationaler
Organisationen wie z.B. Amnesty International wurden
4.000 kurdische Dörfer zerstört u.a. mit Waffen aus
Deutschland. 4-5 Millionen Kurden wurden aus ihrer
Heimat vertrieben und immer noch werden Menschen
wegen des Gebrauchs der kurdischen Sprache verhaftet
und verurteilt. 70.000 Kurden wurden unter
staatlichem Zwang dazu verpflichtet, gegen die
kurdischen Rebellen zu kämpfen, ansonsten droht
ihnen Folter, Vertreibung und Tod.
In ganz Kurdistan herrscht der
Ausnahmezustand. Teilweise können nicht einmal die
elementarsten Grundbedürfnisse gedeckt werden. So
muß man zum Beispiel beim Kauf eines neuen Paars
Schuhe die Alten bei den Ordnungskräften abgeben. Es
gelten die Gesetze des Militärs. Vergewaltigung,
Folter, Tod oder das "Verschwinden"
gehören in Kurdistan zum Alltag.
Bei diesem Krieg gehören die
Nato und Deutschland zu einer Seite des Krieges. Sie
haben niemals versucht den Krieg zu verhindern, um
Menschenrechte und Demokratie zu gewährleisten.
Kampfpanzer, chemische Waffen und Bomben kommen in
diesem Krieg aus Deutschland, dem wichtigsten
Handelspartner der Türkei. Flugzeuge und
Hubschrauber werden aus den USA geliefert.
Deutschland und die USA sind aber auch die
wichtigsten politischen Partner der Türkei. Ohne
wirtschaftliche, militärische und politische
Unterstützung durch den Westen, hätte die Türkei
einen solch intensiven Krieg keine drei Jahre
durchhalten können.
Viele UCK-Kämpfer wurden in
Deutschland militärisch ausgebildet, obwohl sie zum
damaligen Zeitpunkt noch als terroristische
Organisation eingestuft wurde. Trotz der
grundsätzlichen Bereitschaft Milosevics, die
Autonomie für den Kosovo auszuweiten, wurde
Jugoslawien bombardiert. Dies geschah von den
gleichen Mächten, die in Kurdistan aktiv an den
Menschenrechtsverletzungen beteiligt sind. Die
Unterstützung der Türkei wird dabei offiziell mit
dem Hinweis auf die Nato-Partnerschaft
gerechtfertigt. Nicht nur in der Türkei wurde die
Nato zum Mittäter und verliert jeden glaubwürdigen
Anspruch auf die Verteidigung der Menschenrechte.
Zur Zeit befinden sich 1.000
türkische Soldaten im Kosovo, um die
Demokratisierung und die Sicherung der Menschenrechte
voranzutreiben.
Ergün G.
Kurdische Studentengruppe
Freiburg
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Zum Verbot
der PKK - von Ulla Jelpke
Eine von 11.000 Menschen,
auch vom Bundesvorstand der Jungsozialisten, von
Mitgliedern und Abgeordneten der Grünen, von
GewerkschafterInnen, Flüchtlings und
Menschenrechtsgruppen unterschriebene Petition, zur
Aufhebung des PKK Verbots, wurde von CDU/CSU, FDP,
SPD und Grüne ohne jede Debatte abgelehnt. In diesem
Zusammenhang erklärte Ulla Jelpke, innenpolitische
Sprecherin der PDS:
Das PKK-Verbot stellt seit
Jahren die kurdische Exilbevölkerung in diesem Land
und ihre Vereine und Aktivitäten unter
Ausnahmerecht. Kurdische Vereine wurden in fast allen
Bundesländern verboten, in Bayern, Bremen und
anderen Ländern kam es sogar zu wiederholten
Verboten mit der Folge, daß kurdische Menschen dort
keine Räumlichkeiten mehr hatten, in denen sie sich
unbehelligt versammeln konnten.
Das Verbot hat zu tausenden
Verurteilungen wegen Schwenkens von Fähnchen mit
"verbotenen Symbolen" und zu vielen
Verhaftungen und Gefängnisstrafen wegen
Zuwiederhandlungen gegen das Verbot geführt.
Auch wenn sich die
Verwaltungspraxis seit 1993 gebessert hat: Das Verbot
bleibt ein Eingriff in grundlegende Menschenrechte
wie die Versammlungsfreiheit, die Pressefreiheit und
die Meinungsfreiheit. Die kurdische Bevölkerung muß
ständig befürchten, daß aus irgendeinem Anlaß,
die Razzien, Durchsuchungen, Beschlagnahmungen ihrer
Literatur und Verhaftungen erneut beginnen. Dabei
wird selbst in Sicherheitskreisen das Verbot als
kontraproduktiv bewertet.
(...) Das PKK-Verbot war auch
außenpolitisch ein falsches Signal. Es war eine
Gefälligkeit für die Regierung Tasu Cillers, eine
Regierung, der heute Rauschgiftgeschäfte,
Bombenanschläge auf kurdische Zeitungen und die
Ermordung vieler Oppositioneller vorgeworfen wird.
Ich erinnere an den Susurluk-Bericht des türkischen
Parlaments. Die Abgeordneten der
"Demokratie-Partei" (DEP) in der Türkei
wurden kurz nach Verhängung des PKK-Verbotes
rechtswidrig verhaftet und sitzen seitdem im
Gefängnis.
Das Verbot hat die Hardliner,
die Verfechter einer "militärischen
Lösung" der kurdischen Frage in der Türkei
jahrelang ermuntert, alle Gespräche mit der
kurdischen Seite zu verweigern. Inzwischen haben
selbst in der Türkei Diskussionen über eine
Änderung dieser Politik begonnen. Der vorliegende
Antrag, das PKK-Verbot beizubehalten, sendet wieder
einmal das falsche Signal nach Ankara.
Wie will die Bundesregierung
in den EU-Verhandlungen von der Türkei zudem
glaubwürdig die Anerkennung von Minderheitenrechten
verlangen, wenn sie selbst die kurdische Minderheit
hierzulande weiter unter Ausnahmerecht stellt? Die
Beibehaltung des PKK-Verbotes ist in meinen Augen das
fatale Signal, dass Forderungen nach einer
Demokratisierung der Türkei womöglich nur
Lippenbekenntnisse sind.
Eine Aufhebung des Verbotes
ist also überfällig, zumal die PKK wiederholt
erklärt hat und auch praktisch schon lange gezeigt
hat, daß sie sich an die hiesigen Gesetze hält. Der
Verweis auf die kurdischen Proteste nach der
Entführung Öcalans geht daneben, denn diese
Aktionen fanden in einer extremen Ausnahmesituation
statt und geschahen, wie sich inzwischen auch in den
Prozessen gezeigt hat, ohne Anweisung der PKK. Selbst
nach dem Todesurteil gegen Öcalan blieben die
KurdInnen friedlich.
(...) Das PKK-Verbot ist ein
obrigkeitsstaatliches Relikt einer verfehlten
Türkei- und Kurdistan-Politik. Es muss weg.
Ulla Jelpke (MdB)
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